Page 27 - TREND REPORT Juni 2018
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TREND REPORT
Juni 2018 | Sustainable Development 27
„Nachhaltigkeit“ entdeckt und auf na- tionaler wie auf europäischer Ebene Aktionspläne verabschiedet. So beauf- tragte die EU-Kommission 2016 ein Expertengremium, Ideen für eine nach- haltige Finanzstrategie zu formulieren.
In dem im März dieses Jahres vor- gestellten Aktionsplan, der auf den An- regungen der Experten basierte, wird eine „EU-Nachhaltigkeits-Taxonomie“ gefordert, die einheitliche De nitio- nen für nachhaltige Investitionen lie- fern sowie Leitlinien für Aktivitäten formulieren soll, die als klimaschüt- zend und umwelt- bzw. sozialverträg- lich gelten. Konkret verlangt werden die Ausrichtung von Kapitalströmen „in nachhaltigere Investitionen“, die
Berücksichtigung  nanzieller Risiken aufgrund von Klimawandel, Umwelt- zerstörung und sozialen Ungerechtig- keiten im Risikomanagement und „mehr Transparenz und langfristiges Handeln“ von Finanzmärkten und Unternehmen.
Lieferketten mit der Blockchain-Technologie abbilden
Hier kommt die Digitalisierung ins Spiel, denn digitale Lösungen sorgen für eben jene Transparenz, die von Fi- nanzmärkten und Unternehmen er- wartet wird. Beispiel die Blockchain- Technologie: Es handelt sich hierbei um verteilte, fälschungssichere Daten-
strukturen, mit deren Hilfe sich Transaktionen abbilden lassen – chronologisch korrekt, nachvollzieh- bar und unveränderlich. Die Block- chain-Technologie kann eingesetzt werden, um Eigentumsverhältnisse sauber zu dokumentieren, aber auch um Lieferketten entlang bestimmter Produkte abzubilden. Davon betrof- fen können Produkte sein, deren Nachhaltigkeit besonders betont wer- den soll, etwa das in Wolfsburg oder Stuttgart produzierte Auto, bei dem der Nachweis erbracht werden soll, dass alle Komponenten recyclebar sind und in den Produktionskreislauf ein ießen. Oder aber Produkte wie Diamanten, bei denen der Nachweis der sauberen und sozial verträglichen
Schürfung wichtig ist – Stichwort Blutdiamanten.
Cloudbasierte Plattform für Nachhaltigkeit
Jörg Walden, CEO und Gründer der iPoint-systems GmbH, sieht mit seiner Lösung, dem iPoint SustainHub, den Zugang zur Lieferkette für „schwarze Schafe“ zunehmend erschwert. Bei dem iPoint SustainHub handelt es sich um eine universell nutzbare cloudbasierte Plattform, die einen Zugang zu unter- schiedlichen Applikationen im Bereich Nachhaltigkeit und Compliance erlaubt. „Um diesen Ansatz hochgradig automa- tisiert durchzuführen und gleichzeitig Nachhaltigkeitspotenziale neuer Ge- schäftsmodelle über den gesamten Le- benszyklus zu erschließen, sind mög- lichst durchgängig digitale Modelle not- wendig“, erläutert Walden. Angesichts der hoch individualisierten Produkte und der „Heterogenität von Zulieferern und Fertigungsteilen“ benötige man die Digitalisierung der Prozesse.
„Komplexen Energie- markt darstellen“
Ähnlich sieht es der Firmenchef des Online-Energiebeschaffungsportals enPortal Clemens Graf von Wedel, der aber auch den pekuniären Nutzen für die Unternehmen betont: „Die Digitalisierung vereinfacht Prozesse, indem handelnde Partner vernetzt werden sowie Austausch und Verar- beitung von Daten automatisiert er- folgen. Das führt zu erheblichen Ein- sparungen bei den eingesetzten Mate- rial- und Personalressourcen bei gleichzeitig erhöhter Qualität und Prozessgeschwindigkeit.“ Ziel des Portals, in dem über zehn Jahre Ent- wicklungsarbeit stecken, war es nach Worten von Wedels, „den komplexen Energiemarkt in einem cloudbasier- ten Handelsmarktplatz darzustellen und maximalen, fairen Wettbewerb unter den zahlreichen Lieferanten zu ermöglichen“. Die Plattform entwick- le sich inzwischen auf der Grundlage von Kunden- und Lieferantenanfor- derungen weiter.
#Nachhaltigkeit #CSR #Verantwortung
B2B-Beschaffung: Grüner Strom
Die TREND-REPORT-Redaktion im Ge- spräch mit Clemens Graf von Wedel über nachhaltige Trends im Energieeinkauf
Herr von Wedel, welchen Paradig- menwechsel erleben Sie gerade im Kontext des Energieeinkaufs?
Im gewerblichen Bereich steigt die Nachfrage nach elektrischer Energie aus regenerativen Energiequellen. Das hängt u. a. damit zusammen, dass Un- ternehmen die positive Außenwirkung erkennen, die der Bezug von nachhal- tiger Energie mit sich bringt und die- sen aktiv in ihrem Marketing einsetzen. Einige Unternehmen können durch den Bezug von nachhaltiger Energie ihre CO2-Bilanz verbessern und nutzen dies ebenfalls für ihre Außendarstellung. Darüber hinaus sehen wir einen starken Anstieg der Terminmarktpreise für die kommenden Jahre. Der Preisanstieg ist dem Ausstieg aus der Atomkraft und dem sich abzeichnenden Ende des Einsatzes von Kohle geschuldet.
Wie sind Sie darauf vorbereitet, auf Lieferanten und Abnehmerseite? Die enPortal-Plattform steht grund- sätzlich allen Lieferanten o en. Neue Anbieter, insbesondere aus dem rege- nerativen Bereich, sind herzlich will- kommen. Die Plattform bietet für sie eine große Chance, einfach und mit geringem Aufwand, sich 2 500 poten- ziellen gewerblichen Abnehmern zu präsentieren und einige davon als Kunden zu gewinnen. Unsere Kunden
können schon jetzt aus einer Vielzahl von regenerativen Stromanbietern aus- wählen. Im Ausschreibungsprozess haben wir für unsere Kunden die gän- gigen Zerti kate für Ökostrom gelis- tet, auf die in einer Ausschreibung zu- rückgegri en werden kann.
Welche Beweggründe haben die Ab- nehmer für grüne Energie?
In der Außendarstellung spielt die Her- kunft der verwendeten Energie eine zunehmend größere Rolle. Das gilt gleichermaßen für Dienstleister wie für produzierende Unternehmen. Bei ö entlich-rechtlichen Einrichtungen, insbesondere bei den Kommunen, gibt
Clemens Graf von Wedel betont: „Neue Lieferanten insbesonde- re aus dem regenerativen Be- reich sind herzlich willkommen.“
es entsprechende Beschlüsse der kom- munalen Parlamente für eine Öko- stromversorgung von Gemeinden und ö entlichen Einrichtungen. In der Industrie spielt die Reduktion von CO2-Emissionen ebenfalls eine immer stärkere Rolle. Sollte sich der Preis für Ökostrom, z. B. aus Anlagen, die keine EEG-Förderung mehr erhalten und zu Marktpreisen anbieten müssen, wei- ter in Richtung Preisgleichheit mit konventionellem Strom bewegen, wird das die Nachfrage nach grünem Strom weiter be ügeln.
Wie wird sich der Energieeinkauf in naher Zukunft verändern?
Der Energieeinkauf wird sich zukünftig noch stärker an der Preisentwicklung der Energiebörsen orientieren. In Abhän- gigkeit von der weiteren Entwicklung und vom Einsatz von Smart-Metern stehen dem Einkäufer von elektrischer Energie komplexere Beschaffungs- möglichkeiten zur Verfügung. Hier bie- ten wir schon heute alle verfügbaren Möglichkeiten unseren Kunden an und sehen uns führend in der weiteren Entwicklung. Durch die zunehmende Vernetzung über digitale Plattformen wird die Geschwindigkeit der Preisbil- dung rasant zunehmen. Wir gehen davon aus, dass in wenigen Jahren ein Real Pricing, also die ständige Aktuali- sierung von Preisen zahlreicher An- bieter für Kunden, Realität wird.
www.enportal.de








































































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