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TREND REPORT
Juni 2018 | Digital Finance 21
Paradigmenwechsel an der Kasse
von Ingo Limburg, Leiter Mar- keting & PR bei Euro Kartensysteme
Wer schon einmal in London an einer Bushaltestelle in der Schlange stand, kennt die außergewöhnliche Diszip- lin der Briten beim Warten. Ganz im Gegensatz zu uns Deutschen, die an der Supermarktkasse schnell nervös und ungeduldig werden.
Die Gewohnheiten sind meist über Generationen hinweg verfestigt: Man verhält sich, wie von klein auf ge- wohnt. Die Deutschen sind etwa seit jeher ein Volk der Barzahler. Insbeson- dere bei Kleinstbeträgen ist der Gri  zu Münzen und Scheinen quasi die Regel. Umso erstaunlicher ist eine Ent- wicklung, die sich zuletzt beim Bezah- len feststellen lässt: 2017 wurde laut EHI Retail Institute erstmalig im statio- nären Einzelhandel genauso viel Um- satz elektronisch wie mit Bargeld er- zielt. Und diese Trendwende scheint sich zwar langsam, aber nachhaltig fortzusetzen. Die größten Steige- rungswerte im unbaren Bezahlver- kehr erzielt dabei die girocard, die seit 2008 mit durchschnittlich 7,7 Prozent jährlicher Transaktionssteigerung und mittlerweile über 3 Milliarden Trans- aktionen pro Jahr das mit Abstand be- liebteste Kartenzahlungsmittel der deutschen Verbraucher ist.
Aber woher kommt dieser Wandel? Ein entscheidender Grund ist sicher- lich die stetig wachsende Akzeptanz- dichte im Handel. Aufgrund gesunke- ner Transaktionsgebühren hat sich der  nanzielle Vorteil gegenüber dem
sehr teuren und zeitaufwendigen Bar- geldhandling nochmals vergrößert. Obendrein wird auch das Bezahlen an der Kasse durch innovative Neuerun- gen, wie girocard kontaktlos, deutlich schneller, so eine Geschwindigkeits- messung der GfK. Demnach dauert die Bezahlung mit girocard kontaktlos ohne PIN-Eingabe, wie sie i. d. R. bis 25 Euro funktioniert, im Schnitt rund 11 Sekunden. Mehr als doppelt so lang dauert die Bezahlung mit Bargeld (24 Sekunden) und herkömmliche girocard- Zahlung mit Stecken der Karte (23 Se- kunden). Das kann die Durchlaufzeit an der Kasse und damit lästiges War- ten für Kunden deutlich reduzieren.
Doch es ist nicht die Schnelligkeit al- lein, die Kunden dazu bringt, gelernte Gewohnheiten beim Bezahlen über Bord zu werfen. Die girocard kontakt- los ist bequem, einfach und intuitiv zu benutzen. Dieses Gesamtpaket an Nutzerkomfort wird getragen vom Vertrauen, das die Kunden in ihre gi- rocard haben: Mit 90 Prozent hat die überwältigende Mehrheit der Kun- den generell großes oder sogar sehr großes Vertrauen in die Bezahlver- fahren der Banken und Sparkassen, wie z. B. das girocard-System. Das be- legt eine repräsentative Umfrage der GfKvonJanuar2018.ImAuftragder Euro Kartensysteme hatten die Markt- forscher 1 207 Personen zwischen 16 und 69 Jahren befragt. Entsprechend nehmen die Kunden das kontaktlose Bezahlen mit ihrer Bank- oder Spar- kassenkarte so schnell an wie keine andere Funktion der girocard je zu- vor. Ohne große Werbemaßnahmen
waren so im April bereits je rund zehn Prozent aller girocard-Transaktionen von Sparkassen und Volksbanken Rai eisenbanken kontaktlos.
Wie gut das kontaktlose Bezahlen an- genommen wird, zeigen auf Seiten des Handels eindrucksvoll die Zahlen von Edeka Hessenring, einem Akzep- tanzpartner der ersten Stunde, wo kontaktloses Bezahlen mit girocards bereits im Rahmen der Erprobung in der girocard-City Kassel möglich war. Dort wurde bereits im Februar 2018 rund jede vierte girocard-Transaktion kon- taktlos durchgeführt. In einigen Märk- ten liegt der Kontaktlos-Anteil gemes- sen an allen girocard-Transaktionen sogar bereits bei über 40 Prozent.
Noch mehr Wahlfreiheit beim Bezah- len haben ab voraussichtlich Mitte 2018 die Besitzer von NFC-fähigen An- droid-Smartphones. Ihnen bieten nach aktuellem Stand die meisten Sparkassen, Volksbanken und Rai ei- senbanken sowie die National-Bank eine digitale girocard, mit der sie ein- fach durch Au egen des Smartpho- nes bezahlen können. Das funktio- niert automatisch an allen girocard- kontaktlos-Akzeptanzstellen – der Handel ist also bereit.
Ob wir dank kontaktlosem Bezahlen mit Karte und Smartphone mit den Bri- ten bald die Freude am Schlangeste- hen teilen, bleibt abzuwarten. Mehr Komfort und schnellere Abwicklung beim Bezahlen sind uns aber gewiss.
www.girocard.eu
Ist das bald typisch deutsch?
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der Sparkassen sowie der Volksbanken Rai eisenbanken der Anteil der kon- taktlosen Zahlungen bereits bei jeweils rund 10 Prozent. Damit hat sich der Anteil der kontaktlosen Transaktionen seit Dezember 2017 verdoppelt. „Und das sogar ohne groß angelegte Werbe- maßnahmen der Banken und Sparkas- sen“, freut er sich über den Paradig- menwechsel vom Stecken zum Au e- gen und kündigt gleich den nächsten Schritt in der Evolution des Bezahlens an: „Mit der digitalen girocard, die Kunden mit ihrem NFC-fähigen And- roid-Smartphone verbinden können, können Kunden durch Au egen des Smartphones an allen girocard-kon- taktlos-Akzeptanzstellen schnell und bequem zahlen.“
Hierzu gehören auch Super- märkte, Oasen der Zeitersparnis, be- freien sie uns doch vom Gang zum Bä- cker, Metzger oder Obsthändler. Wäre es nicht schön, wenn es auch für die durch FinTechs entstehenden immer vielfältiger werdenden Finanzprodukte eine Art Supermarkt gäbe? Der Fin- Tech-Markt, der ohnehin schon seit ei- nigen Jahren für Wirbel sorgt, hat seit Inkrafttreten der PSD2 zusätzlichen Rückenwind vom Gesetzgeber erhal- ten. Banken sind jetzt verp ichtet, Drittanbietern Zugang zu Informatio- nen über Kundenkonten zu gewähren, sofern der Kunde dem zustimmt. „Die Bank als Kontoanbieter wird am digi- talen Zugang zum Kunden austausch- bar. Damit intensiviert sich der Wett- bewerb an der Kundenschnittstelle“, schildert Oliver Dlugosch von NDGIT die Drohkulisse für etablierte Geld- häuser. Dass die deutschen Banken, wenn sich nichts ändert, Marktanteile verlieren, prophezeit auch Christian Brüseke, General Manager Dach von Avoka Technologies. Ein Grund: „Die deutschen Banken sind nach wie vor nicht in der Lage und nicht willens, den Kunden in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten zu stellen.“ Dabei sind Open-Bank-Szenarien die Kehrseite der PSD2. Banken können zu einer Plattform werden, Open-APIBanken zu Supermärkten für Finanzprodukte machen. Bei diesem Ansatz unterstützt NDGIT die Banken. Wollen wir den Supermarkt-Vergleich aufrechterhal- ten, so fungiert das Unternehmen als Großhandel der besten FinTech-Funk- tionen. „APIs unserer Partner-Fin- Techs kann man innerhalb weniger
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