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14 Die vernetzte Gesellschaft | Juni 2018 TREND REPORT Forschung für die vernetzte Gesellschaft
Die TREND-REPORT-Redaktion sprach mit den Vordenkern und Gründern des Weizenbaum-Instituts über ihre Forschungsgruppen und dringliche Fragen im Kontext einer vernetzten Gesellschaft.
Prof. Dr. Martin Emmer, FU Berlin
Welchem Forschungsbereich haben Sie sich verschrieben?
Als Mediennutzungsforscher blicke ich vor allem auf politische Kommu- nikationsinhalte und gesellscha liche und politische Partizipation. Am Weizenbaum-Institut leite ich die Forschungsgruppe „Digital Citizen- ship“, in der es darum geht, wie sich unsere Vorstellungen von „Bürger- scha “ in einer sich zunehmend digitalisierenden Gesellscha  wandeln.
Was wollen Sie herausfinden?
Wir haben heute durch Internet, soziale und mobile Medien viel mehr Möglichkeiten, uns zu informieren, miteinander zu interagieren, uns zu engagieren, als das früher der Fall war. Unsere Kernfrage ist deshalb, ob diese neuen Handlungsoptionen unsere
eigene Haltung gegenüber der Gesellscha  und der Politik verändern: Er- warten wir mehr von der Politik, etwa schnellere Problemlösungen, in- dividuellere Antworten auf unsere Lebenslagen, mehr Responsivität von Politikern oder auch mehr direkte Mitentscheidungsmöglichkei- ten? Reagieren wir anders auf politische Nachrichten und Entschei- dungen, führen diese zu anderen Gefühlen, Einstellungen oder Handlungen als früher? Lassen sich durch solche möglicherweise neu entstehenden Bürgernormen weitergehende Veränderungen in Politik und Gesellscha  erklären? Solchen Fragen nähern wir uns mit einer großen Bandbreite von Methoden, etwa klassischer Umfragefor- schung, Gruppendiskussionen, ethnografischen Beobachtungen oder auch der auto- matisierten Analyse digitaler Nutzungsdaten. Weiterlesen unter http://trendre-
port.de/weizenbaum
Prof. Dr. Axel Metzger, HU Berlin
Herr Prof. Metzger, womit beschä igen Sie sich in Ihrer For-
schungsgruppe „Daten als Zahlungsmittel“?
Aktuell wird über einen Richtlinienvorschlag verhandelt, der
Daten als Gegenleistung von Verträgen regeln könnte, bei de-
nen der Verbraucher digitale Inhalte erwirbt. Wir beteiligen uns
an diesem Gesetzgebungsvorhaben durch konkrete Stellung-
nahmen und Formulierungsvorschläge. Jenseits der Tagesaktuali-
tät denken wir über die Frage nach, wie die Selbstbestimmung der Ver-
braucher auf den digitalen Märkten, insbesondere auch im Hinblick auf ihre Daten, gestärkt werden kann. Verbraucher äußern zwar immer abstrakte Sorgen über den Schutz ihrer Daten, verhalten sich dann aber unvorsichtig. Hier setzen wir mit einem
interdisziplinären Forschungsdesign von Juristen, Psychologen und Wirtscha sin- formatikern an.
Welche Strategie verfolgt die Europäische Kommisson mit dem „digita- len Binnenmarkt“?
Sie verfolgt damit ganz unterschiedliche Regelungsziele von der Reform des
Urheberrechts über das Vertragsrecht für digitale Inhalte bis zu neuen Regelun- gen über den Zugang zu öffentlichen und privaten Daten. Auch wenn manches unausgegoren und wenig kohärent wirkt, so ist der Kommission doch zu bescheini- gen, dass sie wesentlich agiler auf die Herausforderungen durch Digitalisierung und Vernetzung reagiert als der deutsche Gesetzgeber. Kritisch ist die einseitige Fokussie- rung auf die wirtscha lichen Aspekte, die in den begrenzten Kompetenzen der EU
begründet ist. Weiterlesen unter http://trendreport.de/weizenbaum
Prof. Dr.-Ing. Ina Schieferdecker, TU Berlin / Fraunhofer FOKUS
Frau Prof. Schieferdecker, welche zentralen Fragen rund um das Internet of Things (IoT) sind noch ungeklärt?
Die Technologien für das Internet der Dinge sind bis dato
nur mit Einschränkungen als interoperabel oder sicher zu
bezeichnen. Es laufen diverse Gespräche auf politischen und Arbeitsebenen, durch welche Maßnahmen Funktio- nalität, Skalierbarkeit, Sicherheit und Nachvollziehbar- keit gewährleistet und abgesichert werden können. In Berlin bieten wir dazu im Fraunhofer-Leistungszentrum
„Digitale Vernetzung“ das Transferzentrum IoT an. Dort erhalten Nutzer, Hersteller und Interessenten Schulungs- und Beratungsangebote zur Anwendung von qualita- tiv hochwertigen IoT-Lösungen. Am Weizenbaum-Institut arbeiten wir an Fragen der Verantwortung im und mit dem IoT.
Inwieweit beschä igt Sie das Thema künstliche Intelligenz (KI) in Ihrer For- schungsgruppe „Kritikalität so warebasierter Systeme“?
Wir untersuchen, inwieweit So ware durch die mit KI und Daten ermöglichten neuen Dimen-
sionen der Automatisierung auch neue mögliche Fragilitäten oder Angreifbarkeiten mit sich bringt. Dabei schauen wir insbesondere auf die nötigen Aus- und Weiterbildungen, aber auch auf die passende Benutzbarkeit und Bedienbarkeit der Systeme. Da es keine 100-pro- zentig korrekte So ware oder eben KI gibt und geben wird, muss ein souveräner Umgang
mit diesen Systemen sowohl in Normalsituationen als auch in Fehler- oder Ausfallsitu- ationen ermöglicht werden. Weiterlesen unter http://trendreport.de/weizenbaum
Prof. Dr.-Ing. Norbert Gronau, Universität Potsdam
Herr Prof. Gronau, was ist Ihr Forschungsbereich?
Betriebliches Wissensmanagement, dazu gehört auch Weiterbildung, Training on the Job und E-Learning sowie die Gestaltung von wettbe- werbsfähigen Architekturen industrieller Informationssysteme im Bereich Industrie, Handel, Dienstleistung und öffentlicher Sektor.
Das Ganze erforschen wir mit über 40 Mitarbeitern in verschiede- nen Gruppen. Zu meinem Forschungsschwerpunkt gehört auch das Forschungs- und Anwendungszentrum Industrie 4.0 in Pots- dam, das vollständig autonome Industrie-4.0-Prozesse auf der Basis
des verfügbaren Stands an Hardware, So ware und intelligenter IoT-Technik anbie- ten und für verschiedene Branchenszenarien konfigurieren kann.
Welche Fragen stehen im Fokus der Forschungsgruppe „Bildung und Weiterbil- dung in der digitalen Gesellscha “?
Insbesondere,wieimZeitalterderDigitalisierungdiezukün igeindividuelle und prozessnahe Qualifizierung von Mitarbeitenden aussehen muss. Wie können geeignete Lehr-Lern-Szenarien entwickelt und erprobt werden, u. a. in unserem Digitallabor, und wie sehen digitale Selbstlernangebote aus? Um wirtscha liche Qualifizierungsangebote zu machen und um zielgerichtet den Kompetenzbedarf zu befriedigen, sind Methoden zur Ermittlung des individuellen Weiterbildungsbedarfs zu entwickeln. Wei-
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