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12 Die vernetzte Gesellschaft | Juni 2018 TREND REPORT
Design Engineering: Dinge besser machen
Herr Dhyani, über Digitalisierung und digitale Transformation ist in den letzten Jahren viel diskutiert und publiziert worden. Der Grundton: „Adapt or die”. Was müssen Organisationen aus Ihrer Sicht heute tun, um zu digitalen Unternehmen zu werden?
Aktuell haben rund 90 Prozent der Unternehmen eine digitale Strategie – aber weniger als die Hälfte haben bis- her etwas substanziell umgesetzt. Zwi- schen  eorie und Praxis kla t eine große Lücke. Dabei bieten die neuen Technologien große Chancen, agiler zu werden, schneller zu wachsen und sich gegenüber dem Wettbewerb einen Vorteil zu verscha en.
In der Vergangenheit haben Un- ternehmen Wünsche an die IT for- muliert, um ihre Ziele zu erfüllen. Aktuell scheint es eher so zu sein, dass die Technologie einen enor- men Schritt nach vorn gemacht hat und die vorhandenen Ge- schäftsmodelle hinterherhinken. Das ist korrekt. Die Technologien, um die digitale Transformation umzuset- zen, sind vorhanden. Jetzt geht es vor allem darum, bestehende Prozesse und Geschäftsmodelle zu analysieren und neu zusammenzusetzen. Wir nennen diesen Prozess „Design Engineering”. Unternehmen wollen Dinge besser machen, indem sie Abläufe neu de - nieren, eine Produktstrategie von Grund auf neu planen oder eine neue Dienstleistung anbieten. Wir helfen ihnen dabei, diese neue Strategie mit den verfügbaren, modernen Technolo- gien zu gestalten und die neuen Lösun- gen optimal mit der vorhandenen In- frastruktur zu verbinden.
Dazu müssen die IT-Berater aber nicht nur die wichtigsten IT-Ent- wicklungen, sondern auch die wirtschaftlichen und branchen- spezi schen Zusammenhänge und den Kontext verstehen.
Ja, das stimmt. Früher bekam der CIO die Blaupause eines neuen Prozesses und kümmerte sich dann um Imple- mentierung und Tests. Heute beginnt die Arbeit auf der Vorstandsebene. CIO und Marketing-Team legen bei-
Neue Strategien, neue Prozesse und neue Orga- nisationen sind gefragt. Darüber sprach die TREND-REPORT-Redakti- on mit Mukul Dhyani, Country Head Germany & Switzerland bei Wipro.
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Es geht jetzt vor allem darum, bestehende Ge- schäftsmodelle zu
spielsweise fest, wie die Kundenkom- munikation laufen soll, und nach dieser Vorgabe wird der Prozess modelliert. Die Premium-Automobilhersteller in Deutschland stellen aktuell praktisch alle Abläufe auf den Prüfstand, küm- mern sich aber beim Neu-Design über- haupt nicht mehr um Technologie. Die zugrunde liegende Annahme ist, dass die passende Technologie schon gefunden wird.
Das erfordert eine enge Zusam- menarbeit zwischen dem IT- Dienstleister und dem Kunden. IT und Business müssen bei der Um- setzung Hand in Hand gehen, das Stichwort dazu lautet „Co-Creation”. Lassen Sie es mich anhand eines Bei- spiels erläutern: Ein großer Automo- bilhersteller hat ein Problem identi - ziert und kommt mit dem Wunsch auf uns zu, hier eine Veränderung herbei- zuführen. Vielleicht wollen sie den Kontakt zum Kunden über einen vir- tuellen Showroom realisieren. Wir stel- len dann ein Team aus IT-Experten, Marketingfachleuten, Designern und weiteren Spezialisten, etwa mit Ingeni- eur-Hintergrund, zusammen. Im ers- ten Schritt analysieren wir die Aus- gangslage, werten große Datenmengen aus und diskutieren unsere Erkennt- nisse mit dem Kunden. Danach spezi-  zieren wir die Anforderungen und grenzen sie ein. Diese Ergebnisse dis- kutieren wir wiederum mit dem Kun- den und designen im Anschluss daran die aus unserer Sicht beste Lösung. Erst danach implementieren wir IT, führen Tests durch und passen die Lö- sung immer weiter an. Wenn wir sicher sind, kommt es zu einem großen Launch und wir nutzen dabei alle Technologien, die hier sinnvoll sind – ob Social, IoT, künstliche Intelligenz (KI), Big Data oder Cloud.
Welche Rolle spielt die künstliche Intelligenz als Technologie im Rahmen des Design Enginee- rings?
KI hilft, die richtigen Entscheidungen zu tre en. Im Design-Engineering- Prozess sammeln wir große Mengen an Daten. Um aus diesen „Big Data” wertvolle Informationen herauszu l-
tern oder Muster in ihnen zu erken- nen, benötigen wir KI. Menschliche Data Scientists würden enorm viel Zeit benötigen, um zu ähnlichen Ergebnis- sen zu kommen wie unsere bewährte Holmes-Plattform. Allerdings muss man auch einschränkend anmerken, dass die Qualität der Ergebnisse immer von der Qualität der Ausgangsdaten abhängt. Wenn diese nicht stimmt, kann auch KI nicht viel ausrichten.
Welche Technologien werden Ih- rer Einschätzung nach unsere Ge- sellschaft in den kommenden
„Jahren am stärksten prägen? Künstliche Intelligenz und die Block- chain. KI wird immer wichtiger, um die enormen und stetig weiter wach- senden Datenmengen zeitnah auswer-
Bezogen auf De- sign Engineering eröffnen uns KI und Blockchain enorme Möglich-
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ten zu können. Mit den daraus gewon- nenen Informationen sind Unterneh- men dann in der Lage, ihre Abläufe immer weiter zu verbessern. Die Blockchain wird es uns ermöglichen, Transaktionen auf Mikroebene vollau- tomatisch, zuverlässig und kosten- günstig ablaufen zu lassen, mit soge- nannten Smart Contracts. Bezogen auf Design Engineering erö nen uns KI und Blockchain enorme Möglichkei- ten, Prozesse einmal zu de nieren und dann quasi auf Autopilot laufen zu las- sen. Das wird die Gesellschaft und die Wirtschaft in den kommenden Jahren auf eine tief greifende Art und Weise verändern.
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