Diese vier IT-Themen stehen 2023 im Fokus

Von Cybersicherheit bis Quantentechnologie, von der Edge bis zur Cloud – unsere digitale Welt entwickelt sich rasant weiter. Da können Unternehmen schnell mal den Überblick verlieren, welche IT-Technologien für ihr Geschäftsmodell zukunftsweisend sind. Peter Dümig, Senior Produkt Manager Server, Dell Technologies Deutschland, beschreibt die aus seiner Sicht relevanten IT-Themen für 2023.

Viele Unternehmen rechnen derzeit mit spitzer Feder, wofür sie ihr Geld ausgeben. Gleichzeitig haben die meisten verstanden, dass die IT längst nicht nur eine Kostenstelle ist, sondern vielmehr ein entscheidender Faktor, der zu schlankeren Abläufen sowie zur Verbesserung bestehender und zur Erschließung neuer Geschäftsfelder beitragen kann.
Diese vier IT-Themen sollten Unternehmen 2023 stärker in ihren Fokus rücken.

Punkt 1: Kosten für die Cloud laufen schnell aus dem Ruder

Viele Unternehmen wollen möglichst viele Daten, Prozesse und Workflows in die Cloud bringen. Die Motivation dahinter ist berechtigt: In puncto Agilität, Flexibilität und Skalierbarkeit sind Cloud-Systeme einfach unschlagbar. Was sie jedoch nicht immer sind: eine Kostenersparnis. Im Gegenteil, bei schlechter Planung kann der Schritt in die Wolke sogar deutlich teurer werden. Das passiert beispielsweise dann, wenn der Anwendungsfall nicht zur Infrastruktur passt. Viele Unternehmen dimensionieren zudem ihre Cloud-Ressourcen lieber zu groß als zu klein oder wählen ein Abrechnungsmodell, das nicht optimal zu den Workloads passt. Für eine erfolgreiche Migration in die Cloud müssen Firmen erst einmal die Anforderungen aus den Abteilungen zusammentragen, den Status quo der IT-Infrastruktur analysieren und darauf aufbauend das Ziel definieren sowie die entsprechende Roadmap entwickeln. Wer diese Punkte im Vorfeld klärt und gleichzeitig die notwendige Qualität der Anwendungen und Prozesse sicherstellt, vermeidet unnötige Kostenfallen.

Punkt 2: Zero Trust ist das neue Sicherheitsmantra

Die IT-Infrastruktur von Unternehmen hat sich massiv verändert: Die Mitarbeitenden greifen über die unterschiedlichsten Endgeräte von außerhalb des Firmennetzwerks auf Anwendungen und Services zu. Traditionelle Sicherheitskonzepte stoßen hier an ihre Grenzen. Das Zero-Trust-Modell geht deshalb nach dem Prinzip „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ davon aus, dass nichts sicher ist. Jede Anforderung wird also so überprüft, als käme sie von einem korrumpierten Endgerät. Bei der Implementierung von Zero-Trust-Frameworks kommen Technologien wie risikobasierte Multi-Faktor-Authentifizierung, Identitäts- und Zugriffsmanagement sowie automatisierte Richtlinienentscheidungen zum Einsatz. Damit können Unternehmen jederzeit die Benutzer- und Systemidentität überprüfen, den Zugriff zum jeweiligen Zeitpunkt abwägen und so die Sicherheit aufrechterhalten. Darüber hinaus spielen ein kontinuierliches Monitoring, umfassende Verhaltensanalysen und Threat Intelligence, um Anomalien in Echtzeit zu erkennen, eine wichtige Rolle. Gerade für Hybrid-Cloud-Umgebungen ist ein Zero-Trust-Modell ein Muss.

Quantencomputing steht laut Peter Dümig im kommenden Jahr mehr als zuvor bereit für wirtschaftlich getriebene Anwendungen.

Punkt 3: Quantencomputing steht in den Startlöchern

Statt mit Bits und Bytes rechnen diese superschnellen Maschinen mit quantenphysikalischen Zuständen. Die speziellen Eigenschaften der sogenannten „Qubits“ eröffnen dabei grundsätzlich neue Möglichkeiten für heute schwer oder gar nicht lösbare Probleme. Im Gesundheitssektor beispielsweise können Quantencomputer dank der Fähigkeit, riesige Datenmengen in kürzester Zeit zu verarbeiten, die Entwicklung neuer Medikamente massiv beschleunigen. Im Finanzsektor wiederum kann die Technologie genutzt werden, um riesige Mengen an Transaktionen zu analysieren und besser auf Marktvolatilität zu reagieren, indem Trends noch schneller erkannt werden. Nun mag Quantencomputing derzeit bei den Investitionsvorhaben der meisten Firmen noch keine große Rolle spielen. Gerade aber Branchen, die auf maximale Rechenleistung angewiesen sind, kommen an Quantencomputing nicht vorbei – wobei auch diese disruptive Technologie natürlich mit gewissen Risiken verbunden ist: So könnten Kriminelle diese leistungsstarken Rechner in Zukunft nutzen, um Verschlüsselungstechnologien in Sekundenschnelle zu knacken. Das macht es notwendig, sich mit Post-Quanten-Kryptographie auseinanderzusetzen. Es gibt bereits Standardisierungsaktivitäten im Bereich Quantencomputer-resistenter Kryptografie, so etwa das „Post-Quantum Cryptography Project“ des US-amerikanischen National Institute of Standards and Technology (NIST), in die auch das BSI eingebunden ist. Unternehmen müssen sich jedenfalls über ihr Gefährdungspotenzial und die Schwachstellen ihres Netzwerks klar werden.

Punkt 4: Edge First lebt vom Plattform-Gedanken

Jahrelang sollte am besten alles für die Analyse und Speicherung in die Cloud transferiert werden. Jetzt findet wieder eine Kehrtwende statt, denn immerhin werden laut Analysten im Jahr 2025 rund 80 Prozent aller Daten an der Edge anfallen. Waren bisher komplexe Algorithmen mit Lerneigenschaften dem Cloud Computing vorbehalten, müssen Unternehmen künftig bereits am Netzwerkrand eine Vorsortierung vornehmen können. Das betrifft autonom fahrende Autos genauso wie eine intelligente Fertigungsmaschine in der Produktionshalle. Gerade wenn Entscheidungen in Echtzeit erfolgen sollen, zwingen die extrem großen Datenmengen und die Notwendigkeit möglichst geringer Latenzzeiten konventionelle Rechenmodelle in die Knie. Solche Edge-Cloud-Konstrukte bringen allerdings zahlreiche Herausforderungen mit sich, unter anderem aufgrund betrieblicher Silos, komplexer Workload-Migrationen und inkonsistenter SLAs. Firmen sind deshalb dringend auf eine Edge-Operations-Plattform angewiesen: Deren offenes Design ermöglicht nicht nur die freie Wahl von Software, IoT-Frameworks und Betriebstechnologien. Sie erlaubt darüber hinaus die Zusammenführung von bestehenden und neuen Anwendungsszenarien und schützt mit Hilfe von Zero-Trust-Sicherheitsfunktionen die komplette Infrastruktur.

Fakt ist, wer im Wettbewerb mit anderen Unternehmen die Nase vorn haben will, darf wichtige IT-Entwicklungen nicht verschlafen. Unternehmen, die nicht frühzeitig in innovative Zukunftstechnologien investieren, geraten auf lange Sicht ins Hintertreffen.


Bildquelle / Lizenz Aufmacher:

Photo by Krzysztof Kowalik on Unsplash


Lesen Sie hier mehr zum Thema:

Forecast 2023: Resilienz im Fokus (Teil 20)

Gerade viele Mittelständler stellen sich aktuell diese Frage: Wie werden sich multiple Krisen auf das Geschäft auswirken? Wie entwickeln sich Inflation, Fachkräftemangel und die anhaltende Lieferkrise im kommenden Jahr? Kurz: Wie plant man das Unplanbare? Wir haben Expert:innen unterschiedlichster Disziplinen genau dazu gefragt und um kurze Statements gebeten, inwiefern Werkzeuge der digitalen Transformation dabei helfen können. Hier der 20. Teil.

Forecast 2023: Resilienz im Fokus (Teil 19)

Gerade viele Mittelständler stellen sich aktuell diese Frage: Wie werden sich multiple Krisen auf das Geschäft auswirken? Wie entwickeln sich Inflation, Fachkräftemangel und die anhaltende Lieferkrise im kommenden Jahr? Kurz: Wie plant man das Unplanbare? Wir haben Expert:innen unterschiedlichster Disziplinen genau dazu gefragt und um kurze Statements gebeten, inwiefern Werkzeuge der digitalen Transformation dabei helfen können. Hier der 19. Teil.

Inklusion und Sensibilität heißt die Devise

Thomas Schuller beschreibt, welche Softwaretrends dieses Jahr wichtig werden. Der Regional Director DACH bei Progress-Software sieht vor allem, dass Software-Produkte „mehr Menschen abholen sollen und Unternehmen feinfühliger bei der Personalisierung vorgehen werden.“

Creative Commons Lizenz CC BY-ND 4.0

Sie dürfen:

Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten und zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.

Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht widerrufen solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten.


Unter folgenden Bedingungen:

Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders.

Keine Bearbeitungen — Wenn Sie das Material remixen, verändern oder darauf anderweitig direkt aufbauen, dürfen Sie die bearbeitete Fassung des Materials nicht verbreiten.