Die Roboter sind schon da – und viele Fragen offen

Das Fazit vorweg: Es bleiben mehr Fragen als Antworten. Das zeigt erst recht: Die Veranstaltung „Die Roboter kommen! Ein Filmabend mit Diskussion zur Welt der Künstlichen Intelligenz“ zu initiieren, war wichtig. Vertretungsprofessor Dr. Stefan Kurtenbach vom Fachbereich Sozialwesen und Mitglied im Institut für Gesellschaft und Digitales (GUD) der FH Münster hatte diesen Abend organisiert. Er startete mit dem Dokumentarfilm „Wir sind die Roboter“. Darin zeigen die Filmemacher Tommy Pallotta und Femke Wolting, wie KI schon heute eingesetzt werden kann. Die Dokumentation endete mit der doch nüchternen Erkenntnis, dass es derzeit noch Grenzen in der KI gibt.

Noch – und das war der Ausgangspunkt für die anschließende Diskussion. Roboter fungieren heute zwar schon als Lebensretter wie etwa bei Operationen, aber können sie auch menschlich sein? Welche Folgen hätte es, wenn sie abwägend, zugewandt, empathisch reagieren? Oder aber auch vernichtend? Den Fragen stellten sich Experten aus den Bereichen Soziale Arbeit, Informatik und Medien.

„Roboter sollten keine Abbilder von uns Menschen sein“, sagte Soziologin und Kulturwissenschaftlerin Caroline Y. Robertson-von Trotha. „Wir haben schon acht Milliarden Menschen auf der Erde, und nicht alle sind gut. Aber wenn Roboter uns suggerieren, dass sie uns verstehen, dann kann das sehr nützlich sein.“ Etwa wenn sie einsamen älteren Menschen, so zeigte es ein Experiment im Film, die Traurigkeit nehmen und ihre Lebenssituation verbessern.

Auch Dr. Gesa Linnemann, Nachwuchsprofessorin vom Fachbereich Sozialwesen mit dem Lehr- und Forschungsgebiet Digitalisierung und Alter, sieht große Chancen in der Robotik. Sie wünscht sich aber, dass Entwickler mehr sensorische Fähigkeiten programmieren – um letztendlich den Älteren ein selbstbestimmtes Leben zu Hause zu ermöglichen. „Was die Autonomie unterstützt, darf gern schneller gehen.“ Welche Rolle KI in der Sozialen Arbeit einnehmen kann, damit wird sich FH-Studentin Svenja Brown in ihrer Bachelorarbeit beschäftigen. Nicht ob wir uns mit KI auseinandersetzen müssen, sondern wie, sei auch für dieses Berufsfeld die richtige Fragestellung. KI könne hier eine große Hilfe sein.

Auch Prof. Dr. Jürgen te Vrugt vom Labor für Künstliche Intelligenz am Fachbereich Elektrotechnik und Informatik der FH Münster sieht die positiven Effekte wie beispielsweise in der Prothetik. „Aber wir dürfen nicht die Augen davor verschließen, dass es Anwendungen geben kann, die gruselig sein können. Altruismus ist wieder überschreibbar! Wir bringen unseren Studierenden bei, ganz genau zu schauen, welche Konsequenzen unser Handeln haben kann. Wir müssen Verantwortung übernehmen, dürfen nicht kritiklos sein, dann haben wir eine Chance.“

Künstliche Intelligenz birgt Chancen und Risiken, war sich die Runde auf dem Podium einig (v.l.): Caroline Y. Robertson-von Trotha, Sabine Bubeck-Paaz, Prof. Dr. Jürgen te Vrugt, Dr. Gesa Linnemann und Svenja Brown sowie der Moderator der Veranstaltung, Prof. Dr. Gernot Bauer, FH-Vizepräsident für Forschung und Hochschulplanung. (Foto: FH Münster/Anne Holtkötter)

So sieht es auch ZDF-Redakteurin Sabine Bubeck-Paaz. „Wir sollten uns bei der Internetnutzung bewusstmachen, dass dahinter eine Strategie steckt. Aktuell in der Diskussion: die Folgen von Algorithmen, die zu mehr Rassismus in den USA beitragen.“ Dass KI Wahlen beeinflussen und die Demokratie gefährden kann, ist sich Robertson-von Trotha sicher, „aber ich habe keine Idee, wie man dies reglementieren könnte“.

Auch wenn die Expertenrunde nicht auf alles eine Antwort wusste – „wir müssen uns jetzt den Fragen stellen und darüber nachdenken“, sagte te Vrugt. „Wenn wir dies nicht tun, dann nehmen andere es in die Hand.“ Und damit, sagte FH-Präsidentin Prof. Dr. Ute von Lojewski bereits in ihrer Begrüßung, „kommen auf die Hochschulen große technische und gesellschaftliche Herausforderungen zu“. Denn, so der Grundtenor im Podium: Künstliche Intelligenz ist ambivalent, aber vor allem liegt in ihr eine große Chance.

Die Veranstaltung am Institut für Gesellschaft und Digitales (GUD) fand im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2019 statt, das das Bundesministerium für Forschung und Bildung in diesem Jahr der Künstlichen Intelligenz widmet. Im GUD arbeiten Designer, Informatiker und Sozialwissenschaftler kompetenzübergreifend zusammen. Der Anspruch des interdisziplinären Forscherteams ist es, Informationstechnik und mediale Gestaltung in den Dienst der Reflexion und Lösung aktueller gesellschaftlicher Fragestellungen und Probleme zu stellen.

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Dies ist eine Pressemitteilung der FH Münster

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