Die Kunst des Cloud-Kostenmanagements

Rob Zuber ist Chief Technology Officer von CircleCI, einer Entwicklungsplattform für die kontinuierliche Integration und Bereitstellung von Software-Innovationen. Er beschreibt in seinem Gastbeitrag den Der Dreiklang aus Verbrauchsverhalten, Transparenz und Tools um die Kosten der Cloud zu optimieren.

Angesichts der derzeitigen makroökonomischen Lage ist es für Unternehmen von entscheidender Bedeutung, genau zu wissen, was sie wo ausgeben – auch im Hinblick auf die Cloud. Denn gerade weil gehostete Cloud-Lösungen mit Skalierbarkeit und Flexibilität punkten, können sie Unternehmen auch schnell dazu verleiten, den Überblick über die Kosten der Cloud zu verlieren. Für Rob Zuber, Chief Technology Officer bei CircleCI, lautet hier das Stichwort Cloud-Kostenmanagement.

Beim Cloud Computing stellt das Kostenmanagement eine ständige Herausforderung dar. Untersuchungen von Gartner zeigen, dass 60 Prozent aller Verantwortlichen für die Infrastruktur und den Betrieb von Cloud-Lösungen ihr Budget bis zum Jahr 2024 überschreiten werden. Die Cloud bietet viele Vorteile, darunter die Skalierbarkeit und Flexibilität, nur für das zu zahlen, was man auch nutzt. Gehostete Dienste neigen jedoch dazu, zu abstrahieren, wofür man bezahlt und was man bezahlen könnte. Die Folge für Unternehmen wiederum: Sie kommen am Ende leicht zu hohen Ausgaben. Die wichtigste Voraussetzung, um herauszufinden, wo und wie Unternehmen Kosten einsparen können, ist sich ein vollständiges Bild von der Cloud-Nutzung des eigenen Unternehmens zu machen – und davon abgeleitet passende Kostenoptimierungsstrategien zu entwickeln.

Die Kosten von Cloud Computing in hochskalierten IT-Infrastrukturen

Das zentrale Prinzip des Cloud Computing besteht darin, dass nur die genutzten Ressourcen in Rechnung gestellt werden. Dieses Pay-as-you-go-Modell soll es Unternehmen ermöglichen, die Ressourcen bei unvorhersehbarem Bedarf spontan anzupassen, ohne umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur vor Ort zu tätigen. So sollten sie beispielsweise in der Lage sein, bei plötzlichen Belastungen eine horizontale Skalierung durch das Hinzufügen weiterer Server vorzunehmen. Umgekehrt sollen sie bei einem geringen Datenverkehr ihrer Geschäftsanwendungen, zum Beispiel während der Ferienzeit, ihre Infrastruktur einfach verkleinern und so die Kosten flexibel senken können.

Obwohl die meisten Cloud-Anbieter diese Konfiguration anbieten, verwenden viele Anbieter von Datenspeichern – im Gegensatz zu denen, die Objektspeicher- oder Blockspeicherlösungen bereitstellen – ein Modell, bei dem Unternehmen im Voraus für ihren benötigten Speicherplatz bezahlen müssen. Die Speicherung großer Datenmengen in der Cloud kann auf diese Weise sehr teuer werden, auch wenn sie in der Regel besser ist als die Einrichtung einer Speichereinheit vor Ort.

Versteckte Gebühren für die Datenübertragung und die Datenspeicherung können ebenfalls Kosten verursachen. Die meisten Cloud-Anbieter gestatten ihren Kund:innen die kostenlose Übertragung von Daten in ihr Netzwerk (Ingress), berechnen ihnen aber Gebühren für die Daten, die aus dem Netzwerk herausgehen (Egress). Darüber hinaus nutzen viele Unternehmen einen Datenbank-as-a-Service (DBaaS), um eine vollständig verwaltete Datenbank in der Cloud einzurichten und so den traditionellen Weg der Einrichtung einer Virtual Machine (VM) und der manuellen Installation von Sicherheits-Patches zu umgehen. Aber auch dieser Ansatz ist mit Kosten verbunden, die das Budget von Unternehmen mit wachsendem Datenvolumen schnell übersteigen können.

Die Bedeutung des Cloud-Kostenmanagements

Vielen Softwareentwicklungsteams fällt es schwer, sich ein vollständiges Bild von der Cloud-Nutzung in ihrem Unternehmen zu machen. Die Kosten können sich schnell summieren, und ehe man sich versieht, zahlt man Tausende von Euro für einen Service, den man nicht benötigt oder anders hätte konfigurieren können. Die Kostenursachen reichen von erstellten Ressourcen, die versehentlich erstellt oder vergessen wurden abzuschalten, bis hin zu vorab festgelegten permissiven Richtlinien, die bei einer anhaltenden Datenverkehrsspitze zur Bereitstellung einer Flut von öffentlichen Cloud-Ressourcen führen.

Aus diesem Grund ist das Cloud-Kostenmanagement zu einem wichtigen Bestandteil des Cloud-Betriebs eines Unternehmens geworden. Um das Gesamtbild zu verstehen, müssen IT-Verantwortliche die separaten Kosten für jeden Dienst betrachten. Diese Methode ist jedoch schon bei einigen wenigen Diensten eine Herausforderung und wird mit steigender Anzahl der genutzten Anbieter zunehmend schwieriger.

Rob Zuber ist Chief Technology Officer von CircleCI, einer Entwicklungsplattform für die kontinuierliche Integration und Bereitstellung von Software-Innovationen.

Der Dreiklang aus Verbrauchsverhalten, Transparenz und Tools

Am besten ist es, Strategien zur Optimierung der Cloud-Kosten bereits in der Planungsphase zu implementieren. Auf diese Weise vermeiden Unternehmen unangenehme Überraschungen, wenn die Rechnungen eintreffen. Der erste Schritt zur Optimierung der Cloud-Kosten besteht darin, zu verstehen, wie sich die Abrechnung zusammensetzt. Mit verbrauchsabhängigen Abrechnungslösungen können Unternehmen ihre Muster und die damit verbundenen Kosten im Laufe der Zeit visualisieren. So können sie feststellen, welche Anwendungen und Dienste die meisten Ressourcen verbrauchen, und diese reduzieren, wenn sie keinen geschäftlichen Nutzen bringen. Hilfreich ist es dabei auch, die Nutzung mit historischen Cloud-Verbrauchsmustern zu vergleichen.

Für eine effiziente Cloud-Nutzung ist es ratsam, den Entwicklerteams ein Verständnis für die Zusammensetzung der Cloud-Kosten zu vermitteln und ihnen einen Kontext zur Nutzung der Ressourcen zu geben. Darüber hinaus sollten Unternehmen die Ressourcennutzung eindeutig bestimmten Teams und Einsätzen zuordnen, um ihre Gesamtausgaben besser verwalten zu können. Diese Transparenz gibt den Teams einen größeren Anreiz, ihre Cloud-Nutzung effizient und angemessen zu gestalten.

Cloud-Kostenmanagement-Plattformen von Drittanbietern wie Apptio Cloudability oder Flexera können Unternehmen helfen, mehr aus ihrer Cloud-Investition herauszuholen. Diese Plattformen bieten einen Überblick über die unternehmenseigene Infrastruktur, einschließlich Multi-Cloud-Implementierungen, und stellen Tools für eine genauere Kontrolle der verwendeten Ressourcen bereit oder lassen sich in diese integrieren. Sie verfolgen auch die Kosten in Echtzeit und warnen Unternehmen, wenn die Nutzung der Infrastruktur vereinbarte Grenzen überschreitet. Viele dieser Plattformen bieten auch KI-gestützte Tools für die richtige Dimensionierung oder die Kennzeichnung von Cloud-Ressourcen, die auf der Grundlage der historischen Nutzungstrends überdimensioniert sind, damit Unternehmen unnötige Ausgaben erkennen und vermeiden können.

Die Einhaltung konsistenter Bereitstellungsstrategien kann Unternehmen ebenfalls helfen, die Cloud-Kosten unter Kontrolle zu halten. Durch die Automatisierung ihrer Bereitstellungen und Infrastrukturkonfiguration in einer CI/CD-Pipeline können Unternehmen kostspielige Fehler vermeiden, die auftreten, wenn Entwicklerteams Ressourcen manuell konfigurieren. Viele Continuous-Integration-Plattformen bieten Integrationen mit Infrastructure-as-Code-Tools wie Terraform und Pulumi, mit denen Unternehmen die genauen Ressourcen angeben können, die mit ihren Bereitstellungen in Betrieb genommen werden sollen, und mit denen sie Grenzen für die Ressourcennutzung mit Richtlinien zur Kostenkontrolle festlegen können.

Ein umsichtiger Umgang mit der Cloud

Angesichts der hohen Summen, die Unternehmen in die Cloud investieren (396 Milliarden Dollar bis 2021, Tendenz steigend), war es noch nie so wichtig wie heute, die richtigen Strategien zur Kostenoptimierung in der Cloud zu entwickeln. Es gibt viele Möglichkeiten, wie die Kosten für Cloud Computing im Laufe der Zeit schleichend ansteigen können. Wenn Unternehmen ihre Investitionen proaktiv verwalten, können sie kostspielige Überraschungen vermeiden und sich stattdessen auf die Bereitstellung der Funktionen konzentrieren, die für ihre Kund:innen am wichtigsten sind.


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