Die Digital Circular Economy

iPoint-systems-CEO Jörg Walden berichtet, wie Technologien wie die Blockchain Produkte, Prozesse und Dienstleistungen transparenter machen.

Herr Walden, welches wirtschaftliche Potenzial steckt in der Circular Economy?

Insgesamt wird geschätzt, dass der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft für die Weltwirtschaft eine Chance von einer Billion US-Dollar darstellt. Dabei kann die Circular Economy in der EU bis 2030 zu einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um fast 0,5 Prozent beitragen. Die Circular Economy bietet allerdings nicht nur ökonomische, sondern auch ökologische und soziale Vorteile und damit für alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit: Durch den Übergang zu einer stärker kreislauf­orientierten Wirtschaft können globale Treibhausgasemissionen um 39 Prozent reduziert werden. Und die Beschäf­ti­gung wird bis 2030 um fast 0,3 Pro­zent (700 000 Arbeitsplätze) zunehmen durch den zusätzlichen Bedarf an Arbeitskräf­ten in Recyclinganlagen, Reparaturdiensten und durch den Wiederanstieg der Verbrauchernachfrage aufgrund von Einsparungen, die durch kollaborative Maßnahmen erzielt werden. . (Cambridge Econometrics 2019; Ellen MacArthur Foundation 2015v; The Circularity Gap Report 2021).

Jörg Walden bietet Software für jede Phase im Lebenszyklus eines Produkts – vom Design über die Pro­duktion und Nutzung
bis hin zu Recyc­ling und Wiederverwendung.

Welche Voraussetzungen müssen für ein geschlossenes Kreislaufwirtschaftssystem erfüllt werden und wie helfen Sie dabei?

Um von einem linearen zu einem zirkulären Wirtschaftssystem zu gelangen, müssen alle Beteiligten vor allem eines haben: Informationen über die Zusammensetzung der Produkte sowie den Ressourcenverbrauch entlang des gesamten Produktlebenszyklus und der Wertschöpfungskette – in Form von digitalen Daten. Wir sprechen hier auch von der „Digital Circular Economy“. iPoint bietet Software für jede Phase im Lebenszyklus eines Produkts – vom Design über die Produktion und Nutzung bis hin zu Recycling und Wiederverwendung. Nutzer unserer Software können zum Beispiel die Herkunft und Geschichte von Produkten, Komponenten und Materialien verfolgen, den CO2-Fußabdruck ihrer Lieferkette mes­sen, Arbeitsbedingungen ihrer Lieferanten und Auslandsstandorte erfassen oder Recycling-Prozesse simulieren. Produkt- oder Materialpässe, aber auch sogenannte „Digitale Zwillinge“ spielen hier eine immer wichtigere Rolle.

Wie können wir uns Ihre Unterstützung vorstellen? Können Sie uns ein konkretes Beispiel geben?

Wir stellen hinsichtlich der Produkte und Lieferketten unserer Kunden Trans­parenz her, um ihr Management von Compliance-, Nachhaltigkeits- und Risikoinformationen von Produkten zu vereinfachen. So unterstützen wir etwa den Schweizer Computerhersteller Logi­tech dabei, die CO2-Bilanz seiner Produkte offenzulegen. Als erstes Unternehmen der Unterhaltungselektronik hat Logitech sich dazu verpflichtet, bis 2025 sämtliche Produkte mit einem Kohlenstoff-Fußabdruck zu kenn­zeich­nen und die Auswirkungen auf den Kohlenstoff-Ausstoß transparent zu ma­chen, um Verbraucher in die Lage zu versetzen, informierte Entscheidungen zu treffen. iPoint unterstützt Logitech bei der Erarbeitung eines gültigen ISO-konformen Messprotokolls für die Lebenszyklusanalyse, die es ermöglicht, die CO2-Auswirkungen eines Produkts über den gesamten Lebenszyklus zu beziffern – von der Rohstoffbeschaffung über die Produktion, Distribution und Nutzung bis hin zum Ende des primären Lebenszyklus. Wir sind stolz da­rauf, als einer der Partner von Logi­tech diese Vision der vollständigen CO2-Transparenz zu unterstützen.

Wie helfen Ihre Softwarelösungen bei der Compliance und an welche Unternehmen richten sie sich?

Unsere Software unterstützt produzierende Unternehmen dabei, Daten entlang ihrer Lieferkette hochgradig automatisiert zu sammeln, zu analysieren und offenzulegen, die sie bei der Produkt-Compliance, also der Einhaltung von produktbezogenen Gesetzen, benötigen. Diese Gesetze regulieren z. B. die Erfüllung abfall- und recycling­bezogener Quoten oder die Ver­wen­dung gefährlicher Chemikalien, widmen sich der Bekämpfung von Menschenrechtsverletzungen wie Kinder- und Zwangsarbeit oder fördern – wie bspw. das deutsche Sorgfaltspflich­tengesetz (aka Lieferkettengesetz) – die ökologische und soziale Ver­ant­wortung von Unternehmen. Unsere Software richtet sich insbesondere an Unternehmen mit komplexen Produkten und globalen, weitverzweigten Lieferketten – z. B. Automobil-, Elektronik- und Medizintechnikhersteller.

Produkte dieser Unternehmen bestehen häufig aus Tausenden von Einzelteilen, die sie von Tausenden von Lieferanten beziehen. Es ist für diese Unternehmen in der heutigen digitalen Welt nicht leicht, mit der Geschwindigkeit der Veränderungen und Innovationen mitzuhalten. Sie haben immer weniger Zeit, um komplexe, meist hochvernetzte Produkte mit vielen Geschäftspartnern zu entwickeln. iPoint unterstützt diese Unternehmen dabei, das Produkt mög­lichst früh – also schon in der Designphase – mit allen Partnern in allen Dimensionen zu optimieren. Dazu müssen die digitalen Prozesse gut vernetzt sein, auch über sogenannte digitale Zwillinge der Produkte. Diese können die spezifische Zusammensetzung, Herkunft aller Materialien, Rohstoffe und Komponenten sowie den Energieverbrauch und CO2-Ausstoß eindeutig identifizierbar integrieren.

Weitere Informationen unter:
www.ipoint-systems.com

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