Connected Work

Benjamin Brockmann, Co-Founder und CEO von Operations1 erläutert in seinem Gastbeitrag, wie der  Mensch im Mittelpunkt von Digitalisierungslösungen im Produktionsumfeld stehen kann und welche Chancen sich daraus ergeben.

Operative Mitarbeiter im digitalen Niemandsland

Die Digitalisierung verändert unser Leben in allen Bereichen. Während Mobile Apps, Wearables & Co. unseren Alltag stark vereinfachen, ist in der Arbeitswelt von produzierenden Unternehmen noch wenig Erleichterung angekommen. Die Digitalisierungsbestrebungen fokussierten dort bislang auf die Vernetzung von Maschinen, die Einführung einer digitalen Fertigungssteuerung und vielfältige, häufig sperrige Insellösungen. So stehen operative Mitarbeiter vor der Herausforderung, ihre Informationen aus fragmentierten Lösungen mit komplexen Darstellungen – häufig sogar noch aus ausgedruckten Anweisungen oder Checklisten – zu beziehen. Probleme werden nicht rückverfolgbar, oft per Zuruf gelöst, Daten manuell von Papier in Excel-Files übertragen oder gar nicht erst berücksichtigt. Während Wissensarbeiter sich seit Jahren ausgefeilter Digitalisierungslösungen erfreuen, werden operative Kräfte, Werksmitarbeiter, häufig im digitalen Niemandsland allein gelassen.

Neue Talente und alte Hasen: der Produktionsprozess braucht beides

Benjamin Brockmann: „Dass mehr Digitalisierung vonnöten ist, steht fest. Die jährliche Ausbildungsumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter 15.000 Unternehmen hat festgestellt, dass Digitales wichtiger ist denn je.“

Allerorts wird über Fachkräftemangel geklagt. Auch produzierende Unternehmen stehen unter Druck, Nachwuchs zu finden. Gleichzeitig werden die Produktionsprozesse aufgrund einer steigenden Produktvariantenvielfalt stetig komplexer. Leider verbringt eine in Summe schwindende Belegschaft viel zu viel Zeit mit repetitiven, nicht wertschöpfenden und wenig sinnvollen Tätigkeiten – das frustriert die Betroffenen. Hier können digitale Tools für Abhilfe sorgen und die operativen Mitarbeiter, die für einen störungsfreien Betrieb eine zentrale Rolle spielen, stärker sinnstiftend einbinden.

Dass mehr Digitalisierung vonnöten ist, steht fest. Die jährliche Ausbildungsumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter 15.000 Unternehmen hat festgestellt, dass Digitales wichtiger ist denn je. Laut Bitkom setzen neun von zehn Unternehmen auf Industrie 4.0 und sieben von zehn Unternehmen sind der Meinung, dass durch Industrie 4.0 neue Arbeitsplätze für gut ausgebildete Fachkräfte entstehen werden. Doch optimale Synergien ergeben sich erst aus digitalen Skills verbunden mit jahrzehntealtem Know-how durch Berufserfahrung. Kürzlich hörte ich von Simon Jacobson, dem Vice President Analyst von Gartner Supply Chain Practice, dass neue Mitarbeiter zwar möglicherweise technisch versiert sind, allerdings keinen Zugang zu Best Practices und Know-how haben. Langjährig festangestellte Mitarbeiter hingegen verfügen möglicherweise über das Wissen, aber nicht über die digitalen Fähigkeiten. Ein wirklich vernetzter Fabrikarbeiter in einer intelligenten Fertigungsumgebung braucht aber beides.

Digitalisierung als Employer-Branding-Strategie

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und gerade auch für junge Mitarbeiter bzw. Nachwuchskräfte ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, sollte die Digitalisierung in der Produktion ein wichtiger Bestandteil der Employer-Branding-Strategie sein. Das setzt beispielweise die Firma Soudronic optimal um, ein weltweit führender Hersteller von Produktionsanlagen für Metallverpackungen mit Hauptsitz in der Schweiz. Der Leiter von Produktion und Prüfstand bei Soudronic, Cyril Maurer, sagte zu mir: „Junge Mitarbeiter finden die Nutzung neuer Technologien spannend. Sie benötigen am Arbeitsplatz eine einfache, intuitive Systemlösung, wie sie sie aus ihrem privaten Umfeld kennen – intuitive Apps auf dem Smartphone, die in Sekunden installiert und in Minuten verstanden sind.“ Genau so eine softwarebasierte Systemlösung hat die Unternehmensgruppe mit unserer Unterstützung realisiert und eine Connected Worker Plattform eingeführt. Diese hilft dabei, sich auf wichtige Aufgaben wie den eigentlichen Prüfprozess und nicht die Suche nach Informationen oder das Kopieren von Daten zu konzentrieren. Soudronic ist sich – wie mittlerweile zunehmend mehr produzierende Unternehmen – bewusst, dass ein modernes Arbeitsumfeld heute wichtiger denn je ist, um im Wettbewerb zu bestehen.

Plattformen für operativ Arbeitende

Als „Connected Work“ bezeichnet man die organisatorische, prozessuale und technologische Vernetzung von operativen, sogenannten „schreibtischlosen“ Mitarbeitern. Typischerweise meint man damit anwenderzentrierte Digitalisierung für Mitarbeiter in der Produktion, Logistik oder weiteren produktionsnahen Supportprozessen. Eine Connected Worker Plattform stellt die technologische Lösung zur Realisierung dieser Vernetzung dar. Der Unterschied zu typischen Softwareapplikationen ist, dass Mitarbeiter in ein umfassendes digitales System eingebettet werden. Informationen werden kontextbasiert bereitgestellt, Mitarbeiter interagieren mit IoT-Equipment und sind in Echtzeit miteinander sowie mit Führungs- und Arbeitsplanungsebenen vernetzt. Die Software wird as-a-Service bereitgestellt, sodass Anwenderunternehmen von einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der Lösung profitieren.

Boomender Markt für Connected Work

Gartner nennt fünf zentrale Anwendungsfälle für Connected Work, nämlich Mitarbeiterführung, Qualität und Compliance, Training und Qualifikation, Kollaboration und kontinuierliche Verbesserung. Die Vernetzung operativer Mitarbeiter ist auf der Agenda internationaler Führungskräfte produzierender Unternehmen angekommen. Vorreiter können bereits enorme Erfolge messen, während sich ein Grossteil der Unternehmen noch im Stadium Papier, ERP-Interfaces auf dem Shopfloor und fragmentierten Eigenentwicklungen befindet.

Während die bekannten Werkerassistenz- oder Werkerinformationssysteme lediglich kognitive oder physische Unterstützung bei Montagetätigkeiten bieten, geht eine Connected Worker Plattform weit darüber hinaus: Hier geht es um eine modular aufgebaute, auf eine ganzheitliche technologische Vernetzung der Mitarbeiter abzielende Lösung für ein breites Einsatzgebiet.

Über den Autor

Benjamin Brockmann ist seit 2017 CEO und Co-Founder bei Operations1. Er studierte von 2014-2016 an der TU München und forschte gemeinsam mit seinen Mitbegründern am Fraunhofer Institut, wo er auch die inhaltliche Grundlage für die Gründung durch seine Masterarbeit über Werkerinformationssysteme bekam. Weitere Erfahrungen sammelte er bei KPMG im Bereich IT & Finance Consulting sowie bei Arthur D. Little im Bereich Strategy, Innovation & Technology. In seiner Freizeit nutzt er gerne seine internationale Privatpilotenlizenz, um die Welt von oben zusehen und spielt Tennis. Mehr unter www.operations1.com.


Bildquelle / Lizenz Aufmacher: Operations1


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