Bauprojekte: schnell, flexibel, nachhaltig

Über die Vorteile der modularen Bauweise sprach Peter Orthen, Geschäftsführer der Alho Systembau GmbH, mit der TREND-REPORT-Redaktion.

Herr Orthen, was verstehen Sie unter modularen Gebäuden?

Modulgebäude sind Bauten, die in serieller Werksfertigung entstehen. Sie werden in unserer „Raumfabrik“ witterungsunabhängig und unter stetigen Qualitätskontrollen als dreidimensionale Raummodule vorgefertigt.

Zunächst entsteht die quaderförmige Raumtragstruktur aus Stahl. Diese wird mit Trockenbaumaterialien ausgefacht, die Gebäudetechnik vorinstalliert, Sanitärbereiche gefliest und die Dämmung eingebracht. Die so bis zu 70 % vorgefertigten Raummodule werden dann auf der Baustelle innerhalb weniger Tage zusammengefügt und anschließend in ca. 12 bis 16 Wochen Bauzeit vor Ort sauber und leise zum fertigen Gebäude ausgebaut. Dabei werden die modulübergreifenden Verbindungen geschaffen und die Gebäudehülle – Fassade und Dach – wird angebracht.

Was macht modulare Gebäude insbesondere für schnell wachsende Unternehmen so attraktiv und wie trägt die modulare Bauweise agilen NEW-Work-Strategien Rechnung?

Modulgebäude entstehen in ca. 70% kürzerer Bauzeit als konventionelle. Sie sind dadurch für wachsende Unternehmen erheblich schneller verfügbar.

In der Grundrissgestaltung sind sie flexibel – sowohl klassische Zellenbüros als auch Großraumbüros, Kombibüros mit offenen Kommunikationszonen und Rückzugsmöglichkeiten für konzentriertes Arbeiten bis hin zu sogenannten Activity Based Workspaces, bei denen es gar keine persönlichen Arbeitsplätze mehr gibt, lassen sich abbilden.

Dabei sind Änderungen und Bedarfsanpassungen jederzeit flexibel möglich. Dies macht unsere freitragende Stahl-Skelettstruktur mit nichttragenden Wänden möglich. Alle Wände können entfernt oder frei versetzt werden. Auch Veränderungen des Gebäudevolumens – von Anbau über Aufstockung bis hin zu Rückbau und das Versetzen des gesamten Bauwerks – sind problemlos machbar.

In wieweit unterstützt Ihre Bauweise den Grundgedanken einer Circular Economy?

Der Grundwerkstoff für unsere Modulgebäude ist Stahl. Dieser gilt als „Recyclingweltmeister“ unter den Baustoffen. 99% des Baustahls werden recycelt, 88% davon, indem er eingeschmolzen und zu neuem Stahl verarbeitet wird. Allein die deutsche Stahlindustrie setzt jährlich mehr als 20 Millionen Tonnen Stahl- und Eisenschrott ein, um daraus neue Produkte herzustellen. Man kann daher sagen, dass heute im Grunde jedes Stahlerzeugnis – und somit auch die Grundkonstruktion unserer Module – bereits ein Recyclingprodukt ist.

Darüber hinaus unterstützt auch unsere Bauweise an sich die Circular Economy. So ist es prinzipiell möglich, ein Modulgebäude rückstandslos zurückzubauen, indem man es wieder in seine einzelnen Module zerlegt. Diese können dann als „mobile Immobilie“ an einem anderen Ort wieder zusammengefügt werden. Oder aber die Module gehen zurück ins Werk, werden in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt, mit einer Quote von über 90% recycelt und dem Wertstoffkreislauf wieder zugeführt.

Wie ist es um die Energieeffizienz im Kontext der Modulbauweise bestellt?

Grundsätzlich erzielen wir in der Modulbauweise dieselben Energieeffizienzwerte, die auch im konventionellen Bauen erreicht werden. Der Standard liegt derzeit beim Niedrigenergiehaus, der Trend geht jedoch zu KfW 55 bis hin zu Passivhäusern. Wir haben auch bereits eine Kita als Energie-Plus-Haus realisiert, d.h. dass dort mehr Energie erzeugt als verbraucht wird.

Durch den Einsatz smarter Technologien und innovativer Materialien will Peter Orthen den ökologischen Fußabdruck seiner Gebäude weiterverbessern.

Peter Orthen, Geschäftsführer der Alho Systembau GmbH

Energieeffizienz ist jedoch bei Nachhaltigkeits- und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen nur eine Facette. Die ganzheitliche Betrachtung der Life Cycle Costs – also der im Verlauf des gesamten Gebäudelebenszyklus anfallenden Planungs-, Finanzierungs-, Erstellungs-, Nutzungs-, Erneuerungs- und Abbruchkosten – ist für Bauherren und Investoren jedoch erheblich interessanter.

Hier kann die Modulbauweise insbesondere bei Nachhaltigkeitskriterien wie Umnutzungsfähigkeit, Rückbau und Recycling punkten und überzeugt mit ca. 12% niedrigeren Kosten. Dabei kommt im Laufe der Zeit eine Ersparnis von durchaus mehreren Millionen Euro zusammen.

Wie schaffen sie es durch ihre Produktionsprozesse eine gleichbleibend hohe Qualität der Modulgebäude zu garantieren und welchen Einfluss üben diese auf die Bauzeit der Gebäude aus?

Der Grundstein für die Qualität unserer Gebäue wird in der Planung gelegt. Wir planen integral unter Einbeziehung aller relevanten Fachdisziplinen. So werden Architektur und Gebäudetechnik optimal aufeinander abgestimmt.

Die Vorfertigung der Gebäude findet unter gleichbleibenden Bedingungen in unseren Werkshallen statt. Witterungsbedingte Qualitätsschwankungen, wie sie auf konventionellen Baustellen ganz normal sind, können nicht vorkommen.

Damit beim Zusammenfügen des Gebäudes alles passt, ist höchste Präzision bei der Fertigung der Raummodule Voraussetzung. Wir denken daher nicht in Zentimetern, sondern in Millimetern. Unsere Fertigung unterliegt einem strengen Qualitätsmanagementsystem.

Mängel sind nicht nur Kostentreiber Nummer Eins am Bau, sondern verzögern den Bauprozess und somit die Fertigstellung des Gebäudes. Dank der optimalen Qualität durch die industrielle Fertigung gibt es im Modulbau kaum mängelbedingten Verzögerungen und wir garantieren die Übergabe zum Fixtermin.

Welche Weiterentwicklungen haben Sie gerade in Planung und wo geht Ihre zukünftige Reise hin?

Unser Ziel ist es, für unsere Kunden individuelle und maßgeschneiderte Gebäude zu entwickeln und zu bauen, die umweltfreundlich, energieeffizient und in hohem Maße zukunftsorientiert sind. Wir möchten unseren Kunden eine langfristig sichere Investition bieten.

Zum einen arbeiten wir konsequent an der Weiterentwicklung unseres Produkts. Der Einsatz smarter Technologien und innovativer Materialien, die dazu beitragen, den ökologischen Fußabdruck unserer Gebäude weiter zu verbessern, steht im Fokus unserer Forschung und Entwicklung.

Zum anderen optimieren wir kontinuierlich unsere Produktion. Bei der Verbesserung setzen wir auf Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen.

Darüber hinaus verfolgen wir den methodischen Ansatz des Lean Management. Im Rahmen zunehmender Ressourcenverknappung – seinen es Rohstoffe, Materialien, Energie oder auch Arbeitskräfte – möchten wir unsere Prozesse noch effizienter gestalten. Unser konzernweit etabliertes Energiemanagementsystem hilft uns dabei.

Was verstehen Sie unter Immobilien mit Zukunft?

Immobilien mit Zukunft sind integral geplant, d.h. sie bringen attraktive Architektur mit Ökonomie und Ökologie in Einklang. Sie unterliegen einem Gesamtkonzept, das alle Phasen des Lebenszyklus betrachtet – von der Errichtung über den Betrieb bis hin zu Umnutzung, Sanierung und Abbruch, bzw. Demontage bei Modulgebäuden. Sie berücksichtigen nicht nur die aktuellen Erfordernisse, sondern sind auf die Zukunft ausgerichtet.

Immobilien mit Zukunft passen sich daher den Bedürfnissen und Anforderungen der Nutzer flexibel an, das heißt, sie können wachsen, wenn mehr Raum benötigt wird, ihre Grundrisse, Raumaufteilung und auch die Funktion verändern. Eventuell verändern sie sogar ihren Standort.

Was nahezu unmöglich scheint – denkt man dabei an konventionell errichtete Gebäude –, ist bei uns im Modulbau nicht nur relativ einfach zu realisieren, sondern wird tatsächlich praktiziert.

Unter Immobilien der Zukunft verstehen wir daher vor allem eins: hochwertig, industriell produzierte Modulgebäude.

Die Bundesregierung konzentriert sich mit Ihrem Klimapaket auf den Ressourcenverbrauch von Gebäuden. Was aber muss noch beachtet werden im Kontext des Lebenszyklus des Gebäudes?

Die Maßnahmen im Klimapaket greifen unserer Meinung nach zu kurz. Zur CO2-Reduktion von Gebäuden wird lediglich die Energieeffizienz in der Nutzung berücksichtigt. Doch auch die Fertigung von Baumaterial sowie Bau und Rückbau eines Gebäudes verbrauchen Energie. Man bezeichnet sie als „graue Energie“. Knapp die Hälfte der Energiebilanz eines Gebäudes im Lebenszyklus entfällt auf diese graue Energie.

Das konventionelle Bauen erfordert große Mengen an Energie. Hier spielt insbesondere die Herstellung von mineralischen Baustoffen wie Zement eine entscheidende Rolle. Wird die graue Energie nicht berücksichtigt, entsteht ein falsches Bild: Ein Passivhaus beispielsweise, mit viel Zement errichtet, ist alles andere als CO2-neutral.

Modulgebäude weisen verhältnismäßig wenig graue Energie auf. Dabei wirken sich insbesondere die ressourcenoptimierte Produktion, die flexible Umnutzung und der einfache Rückbau mit einer Recyclingquote von über 90% positiv auf den ökologischen Fußabdruck aus.

Weiterführende Informationen finden Sie unter:
www.alho.com

Bilder / Quelle / Lizenzen
Alho Systembau GmbH

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