Bauchgefühl oder Fakten

Daten versus Bauchgefühl: Was ist die bessere Grundlage für Entscheidungen?

Führt ein Firmenzusammenschluss wirklich zu den geplanten Einsparungen? Nach welchen Kriterien wählt man die besten Bewerber für eine Position aus? Wird das neue Produkt die Bedürfnisse des Marktes erfüllen? Der Erfolg eines Unternehmens hängt nicht zuletzt davon ab, welche Entscheidungen Manager treffen. Diese Entscheidungen bestimmen, welche Lösungen entwickelt werden, wer eingestellt wird oder wie Ressourcen genutzt werden. Manche von ihnen werden bewusst und auf Basis gründlicher Überlegungen getroffen. Andere sind intuitiv, automatisch und von Emotionen geprägt. Von der Wirtschaftsinformatik über das Wissensmanagement bis hin zur Psychologie und Soziologie beschäftigen sich Experten seit Langem damit, wie Entscheidungen gefällt und damit besser unterstützt werden können: Rational oder emotional?

Fakt ist, rund zweieinhalb Jahrhunderte nach Beginn der Aufklärung mit ihrem wissenschaftlichen, logischen Weltbild, das sich auf Zahlen, Daten und Fakten stützt, gewinnen Emotionen wieder an Bedeutung. Auch deshalb, weil längst erwiesen ist, dass sie bei Entscheidungen eine maßgebliche Rolle spielen. Selbst in den Chefetagen von Unternehmen, wo es eigentlich eher rational – also an Fakten und Zahlen orientiert – zugehen sollte. Studien zeigen immer wieder, dass die Intuition von Managern zu schnelleren Entscheidungen und diese oft sogar zu besseren Ergebnissen führen. Diesem Bauchgefühl liegen Erfahrungen zugrunde, die im Unterbewusstsein abgespeichert sind und die dann für die Entscheidungsfindung bewusst oder unbewusst abgerufen werden.

Auf der anderen Seite stehen heute so viele Daten wie nie zuvor als Grundlage zur Verfügung. Diese Datenmengen können automatisch bezogen, aggregiert und strukturiert werden – und zwar in Echtzeit, was bestenfalls zu effizienteren Entscheidungen durch völlig neue Erkenntnisse führt. Doch egal, wie weit entwickelt Big-Data-Technologien sind, die Entscheidungsfindung wird damit nicht einfacher. Im Gegenteil: Je mehr Optionen man hat, desto wichtiger wird der innere Kompass, der einem die Richtung weist. Ausgerechnet die Verfügbarkeit umfassender Informationen kann Unsicherheit erzeugen.

Autor: Kai Grunwitz,
Geschäftsführer der NTT Ltd. in Deutschland





„Der bestmögliche Entscheidungsprozess entsteht,
wenn menschliche Intuition und Data Analytics Hand in Hand gehen.“


Da hilft auch Künstliche Intelligenz nicht automatisch weiter: Zwar gibt es bei diesen Systemen bestenfalls immer einen klaren Input – eine Frage – und einen klaren Output – ein Ergebnis. Ein gewisses Maß an Intuition können intelligente Maschinen heute aber nur durch die Auswertung riesiger Datenmengen nachahmen und auf Probleme anwenden, die immer in ähnlicher Weise etwa bei der Rechnungsprüfung auftreten.

Daten- und Erfahrungsschätze in Einklang bringen

Wenn Unternehmen allerdings ein nie dagewesenes Risiko einschätzen müssen, können die Verantwortlichen nur sehr begrenzt auf bereits vorhandene Daten und Erfahrungen zurückgreifen. Ähnlich verhält es sich bei Personalentscheidungen: Auch wenn KI eine nützliche Vorauswahl anhand definierter Kriterien treffen kann – im Endeffekt entscheiden immer noch soziale Faktoren wie Auftreten, Teamfähigkeit und Führungsqualitäten, ob ein Kandidat eingestellt wird oder nicht.

Trotzdem würden wohl die meisten Führungskräfte folgenden Satz unterschreiben: Meine Entscheidungen fälle ich rational, abwägend und orientiert an Fakten. Das mag im Finanzbereich, für den unumstößliche Informationen und Daten-KPIs vorliegen, zutreffen. Je weniger valide Fakten und Daten es allerdings gibt, desto stärker beeinflussen Emotionen und andere unbewusste Reaktionen unsere Entscheidung. Ob wir uns für oder gegen ein Produkt entscheiden, ob wir auf einen Werbebanner klicken oder nicht, ist von vielen Faktoren abhängig.

Dasselbe gilt für die Datenauswahl und -auswertung: Kognitive Phänomene und durch Bias „verzerrte“ Vorannahmen sowohl auf Ebene der Informationsaufnahme als auch bei der analytischen Verarbeitung verzerren das Ergebnis von Big-Data-Analysen. Oder anders formuliert: Daten werden gerne so interpretiert, dass sie meine eigenen Erfahrungen und Einschätzung unterstützen.

Natürlich ist das Erfassen, Analysieren und Bewerten großer Datenmengen für die optimale Entscheidungsfindung von Bedeutung. Trotz dieser Faktenlage sind die meisten Entscheidungen aber immer noch bauchgetrieben. Der bestmögliche Entscheidungsprozess entsteht, wenn menschliche Intuition und Data Analytics Hand in Hand gehen.

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