Agile Transformation in der Finanzwirtschaft: geht das?

Mit ein paar Kanban Boards, Scrum-Schulungen und Software ist es nicht getan

Nikolay Stoyanov, Geschäftsführer der perXoom GmbH und langjähriger Trainer und Berater bei ibo Beratung und Training hat viele Banken und Finanzdienstleister als Trainer oder Berater kennengelernt. Im Interview spricht er darüber, welche Voraussetzungen eine gelingende Agile Transformation braucht und welche Chancen daraus folgen können.

Wie häufig werden Sie von Unternehmen aus der Banken und Versicherungsbranche auf das Thema Agilität angesprochen?
Auf das Thema Agilität werde ich von Banken und Versicherungen extrem häufig im Vergleich zu Unternehmen aus anderen Branchen angesprochen. Möglicherweise liegt es daran, dass die Finanzbranche sehr stark von Änderungen des Kundenverhaltens und (Weiter-) Entwicklungen in der Technologie betroffen sind.

Was versprechen oder erhoffen sich die Unternehmen von „mehr Agilität“?
Durch agile Methoden, insbesondere im Projektmanagement, soll die Innovationskraft erhöht werden und die Digitalisierung vorangetrieben werden.

Wie stellen sich die Unternehmen vor, dahin zu kommen? Setzen sie z.B. auf eine Umsetzung durch interne Expertise oder lassen die Unternehmen sich von z.B. Agilen Coaches begleiten?
Es gibt kein einheitliches Rezept, was sich eindeutig empfehlen lässt. Einige Unternehmen führen agile Strukturen sehr radikal und großflächig ein – mit großen Schulungs- und Beratungsinitiativen, Kauf von Softwarelösungen, Personalrekrutierung. Andere nutzen eher die U-Boot-Taktik. Sie fangen mit kleinen Teams in einzelnen Projekten an, bauen so eigene Expertise auf und entwickeln kontinuierlich ihre Unternehmensstrukturen weiter.

Ein Durchbrechen der Denk- und Handlungsmuster ist unumgänglich

Wo sehen sie aus der Perspektive des Beraters Denkbarrieren und Widerstände oder anders… welche Voraussetzungen müssen für ein Gelingen erfüllt sein?
Das ist eine sehr interessante Frage. Meistens sehen wir die Herausforderungen darin, dass die internen Strukturen in den Unternehmen der Finanzbranche nicht auf Veränderung und Reaktionsfähigkeit, sondern auf Effizienz und Stabilität ausgerichtet sind.
Damit erfordert die agile und im weiteren Sinne auch digitale Transformation fast immer eine dauerhafte Anpassung dieser Strukturen. Damit ist auch ein Durchbrechen der bisher herrschenden Denk- und Handlungsmuster unumgänglich.
Anders gesagt – ein paar Kanban Boards, ein paar Scrum-Schulungen und der Einkauf von Jira sind nicht ausreichend. Jeder einzelne von uns muss auch an seinem Mindset, an seinen Annahmen, Werten und Prinzipien arbeiten und damit zu einer anderen Arbeitskultur beitragen.

Freiräume schaffen und ausprobieren

Was kann mit agilen Methoden und Strukturen verbessert werden? Was nicht?  
Fangen wir mal mit der zweiten Frage an. Was kann man NICHT mit Agilität erreichen? Agilität ist (leider) kein Allheilmittel für die Probleme in einem Unternehmen. Einige der Probleme, die Unternehmen heute haben, werden auch mit Scrum und Holocracy nicht behoben.
Wenn ein Unternehmen z.B. an mangelnder strategischer Ausrichtung oder fehlendem Veränderungs- bzw. Umsetzungswillen leidet, wird das allein durch Scrum, Design Thinking oder Kanban nicht behoben.
Durch agile Methoden können wir aber die Transparenz über Chancen und Probleme erhöhen, die Kundenbindung stärken, die Innovationskraft fördern und die Reaktionsfähigkeit auf unvorhergesehene Ereignisse steigern. Allerdings braucht es Mut und Umsetzungswillen seitens Management und Mitarbeiter.

Wie können Banken und Finanzdienstleister das Thema „locker“ angehen? Haben Sie einen Tipp?
Einfach Freiräume schaffen und ausprobieren.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf https://blog.ibo.de/agile-transformation-in-der-finanzwirtschaft/

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