Page 24 - TREND REPORT Juni 2019
P. 24

24 Future Store | Juni 2019 TREND REPORT In seiner 1950 verfassten the- oretischen Arbeit „Compu- ting machinery and intelli- gence“ entwickelte Alan Tu- ring einen Test, um die Denkfähigkeit einer Maschine mit der eines Menschen vergleichen zu kön- nen. Dabei soll ein Fragesteller mit zwei ihm unbekannten und unsichtba- ren Gesprächspartnern eine Unterhal- tung führen. Ist er nach intensiver Be- fragung nicht in der Lage, Mensch und Maschine zu unterscheiden, so gilt der Test als bestanden – und schon bald könnte es so weit sein. Digitale Assistenten Die Entwicklung von Cortana, Siri, Alexa und Co. schreitet immer weiter voran. Watson belegte sein Verständnis auch von Doppeldeutigkeiten mit ei- nem Sieg in der Gameshow Jeopardy bereits 2011. Duplex – eine von Goog- le auf der Entwicklerkonferenz 2018 vorgestellte KI – tri t Terminabspra- chen mit Restaurants oder Friseursa- lons, ohne an der anderen Leitung noch als Maschine wahrgenommen zu werden. Um natürlich zu wirken, baut sie auch Denkpausen, Ungenauigkei- ten und Füllwörter wie „aha“ und „hmm“ ins Gespräch ein. Der Fortschritt, den das „Natural Lan- guage Processing“, also jenes KI-Teil- gebiet, welches sich speziell mit der menschlichen Sprache befasst, in den letzten Jahren erlebt hat, beein usst auch den Commerce. Auch wenn wirkliche Dialoge noch nicht zustande kommen, entsteht durch die Kommu- nikation mit den digitalen Assistenten ein neuer Touchpoint, der seinen eige- nen Regeln folgt. Auf einer grundlegenden Ebe- ne versucht die KI auch bei der Sprach- suche das Gleiche wie bei jeder getipp- ten Suchanfrage zuvor. Sie versucht, ihren Kunden, den Suchenden, zu ver- stehen und zwar nicht nur auf einer Handel mit Zukunft Voice-Commerce und schlaue Algorithmen verändern die Spielregeln von Andreas Fuhrich a.fuhrich@trendreport.de zurück. Experten und Tools haben es sich weltweit zum Ziel gemacht, die im Verborgenen operierenden Algorith- men bestmöglich zu manipulieren und damit ihren Kunden bei den richtigen Keywords ein gutes Ranking zu be- scha en – sei es bei Google oder auf marktdominanten Shopping-Portalen wie Amazon und Ebay. Nun stehen sie vor der Aufgabe, diese Leistung auf die gesprochenen Ergeb- nisse zu übertragen. War vorher eine Platzierung auf Seite eins der Ergebnis- se schon ein gutes Resultat, versinkt es nun in der Bedeutungslosigkeit. Der Anwender und Konsument bekommt nun keine Liste mehr vorgeschlagen, die er im Zweifel auch noch durchblät- tern kann. Der digitale Assistent liefert in der Regel genau ein Ergebnis oder genau ein Produkt in den Warenkorb. Laut einer Studie von Comscore sollen bereits nächstes Jahr circa die Hälfte al- ler Suchanfragen per Voice übermittelt werden und eine weitere Studie der Dualen Hochschule Baden-Württem- berg sieht Shopping als Verwendungs- zweck für digitale Sprachassistenten weit vorne. Durch Conversational Commerce etabliert sich so neben den klassischen, visuellen Interfaces ein Neues, mit dem Konsumenten interagieren. „Die Vor- aussetzungen dafür sind im Prinzip schon gegeben, denn jedes handelsüb- liche Smartphone verfügt bereits über die erforderliche Technik und Soft- ware“, erläutert Patrick Benner, Ma- naging Director bei Artus Interactive. „Im Conversational Commerce schlummert also ein großes Potenzial.“ Marken, die dieses Potenzial heben wollen, müssen sich fest im Mindset der Kunden verankern, denn nur wenn der Markenname bei der Kaufanfrage genannt wird, bestimmt der Kunde und nicht die KI, welches konkrete Produkt erworben wird. Nur so kann die KI wirklich verstehen, dass der Kunde genau dieses Produkt verlangt. Gerade bei der technika nen Ge- neration der Millennials, die neue digi- tale Möglichkeiten mit Begeisterung annimmt, entsteht dann in der sprach- lichen Interaktion mit der KI ein be- friedigendes Shopping-Erlebnis. PSD2 Ein Erlebnis, welches allerdings am 14. September deutlich getrübt zu werden rein semantischen Ebene. Sie versucht t zu erfassen, was über die reine Wortbe- deutung hinausgeht, und will dabei - i Mit Voice-Commerce können starke Marken noch besser in den Kontakt mit Kunden treten. Händler sollten sich wappnen. nicht weniger, als das wirkliche Kun- t denbedürfnis befriedigen. Hierzu setzt t sie ihre Crawler ein, analysiert Content und Popularität eines schier unermess- f lichen HTML-Indexes und greift auf - den eigenen Erfahrungsschatz aus My- n riaden zuvor generierter Suchanfragen - - 


































































































   22   23   24   25   26