Page 12 - TREND REPORT Juni 2019
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12 Wachstum durch KI | Juni 2019 TREND REPORT Innovatives Recruiting mit KI verschiedenen Ländern unterschiedlich verfahren müssen. Außerdem entstehen Herausforderungen im Zusammenhang mit dem maschinellen Lernen der KI. Hier muss darauf geachtet werden, dass das System nur das lernt, was es auch lernen soll, sonst droht eine mit Vorur­ teilen belastete KI Entscheidungen zu tre en, die sich niemand wünscht. Wie kann dieses Problem gelöst werden? Sie können die KI zunächst ausschließ­ lich mit Daten füttern, die für ihre Ent­ scheidungen eher ungefährlich sind (etwa nur Bildungsverlauf und Berufs­ erfahrung auslesen). Wollen Sie die KI auch mit potenziell gefährlicheren Da­ ten – im Sinne einer möglichen Fehl­ entscheidung – füttern, dann brauchen Sie ein festes unternehmensweites Re­ gelwerk, das Verzerrungen vermeidet und vor allem eine White­Box­KI. Das heißt jeder Mitarbeiter, der die KI nutzt oder betreut, muss zu jedem Mo­ ment wissen, was die KI überhaupt macht. Von einer Black­Box­KI, bei der die Entscheidungskriterien unbe­ kannt sind, muss ich dringend abraten. Hilft eine White-Box-KI dann auch, den Mitarbeitern die Angst vor der Technologie zu nehmen? Genau. Angst entsteht meist dann, wenn Menschen Situationen ausgesetzt sind, die sie nicht kennen. Wenn ich mit Ent­ scheidungen konfrontiert werde, deren Entstehung ich nicht nachvollziehen kann – die intransparent sind. Wenn ich aber die Entscheidungs ndung der KI transparent darstelle, versetze ich die Beteiligten in die Lage, sich damit aus­ einanderzusetzen und diese gegebenen­ falls auch zu überdenken und zu revi­ dieren. Das sollte die Angst nehmen. Eine andere Angst ist, dass der eigene Arbeitsplatz durch die neue Technolo­ gie ersetzt wird. Allerdings gibt es noch sehr wenige Jobs, die ohne weitere Technologiesprünge vollständig auto­ matisiert werden können. KI kann aber rund die Hälfte der von Menschen wäh­ rend ihrer Arbeit ausgeübten und vor allem administrativen Aktivitäten abbil­ den. Es geht also im Kern darum, Mit­ arbeitern durch künstliche Intelligenz Raum zu scha en für die eigentlich wichtigen und erfüllenden Herausfor­ derungen. Das sollte Angst nehmen und Zuversicht erzeugen. www.avature.net Welche Bedeutung haben heute die KI-Technologien für das HR- Management? Ich empfehle Unternehmen, die für ihr Wachstum auf KI­Technologien setzen wollen, den Schwerpunkt des Einsatzes der neuen Technologien auf das HR­ Management zu legen. In der sich im­ mer rasanter verändernden Welt entsteht Wachstum aus Transformation und Transformation beginnt bei den Men­ schen, die das Unternehmen ausma­ chen, also den Mitarbeitern. Das HR­ Management nimmt folglich eine zen­ trale strategische Rolle ein. KI hilft dabei, Teams den strategischen Ent­ scheidungen entsprechend auf­ und auszubauen und kann so eine der An­ triebsfedern der Transformation des gesamten Unternehmens werden. Zu­ dem kann KI die Produktivität im HR steigern und gleichzeitig helfen, die Kos­ ten zu senken. Ein E ekt, der umso wichtiger ist, macht doch die Personal­ abteilung in aller Regel einen hohen Anteil der Gesamtbetriebskosten aus. Können Sie Beispiele nennen, wie KI-Technologien im Recruiting sinnvoll zum Einsatz kommen? KI kann genutzt werden, um Talente und Kandidaten zu  nden und beim an­schließenden Screening Pro le au­ tomatisiert zu vergleichen. Die HR­ spezi sche semanti­sche Suche hilft Recruiting­Teams, die Geschwindig­ keit zu erhöhen, mit der passende Kan­ didaten gefunden werden. So werden Ähnlichkeiten von Jobtiteln erkannt und entsprechende Vorschläge unter­ breitet. Bei der Suche nach einem Web­ Developer könnte das System etwa vorschlagen, auch nach einem Front End­Engineer zu suchen, weil die Be­ gri sverwendung sehr ähnlich ist. Auf diese Weise können auch HRler ohne besondere Branchenkenntnisse die Suche optimieren und beschleunigen. Ent­ sprechende Hilfe bietet die semantische Suche auch für Skills, Rechtschreibfeh­ ler, branchentypische Abkürzungen oder besondere regionale Ortsbezeichnun­ gen. So hilft die semantische Suche da­ bei, schnellstmöglich die Nadel im Heuhaufen, diesen Spitzenkandidaten, zu  nden, vor allem wenn sie mit wei­ teren unternehmensspezi schen Such­  ltern kombiniert werden kann. KI kann außerdem eingesetzt werden, um in großen Datenbanken der Unterneh­ men oder extern im Web Pro le zu  n­ den, die denen bereits vorhandener viel­ versprechender bzw. sogar bereits ein­ gestellter Kandidaten ähnlich sind. Die gleiche Funktionalität lässt sich auch anwenden, um ähnliche Jobs innerhalb der Datenbank zu  nden, was für die strategische Planung bei großen Unter­ nehmen mit vielen Stellen enorm hilf­ reich sein kann. Wenn ich beispielsweise von einer Stelle weiß, dass deren Neu­ besetzung extrem viel Zeit in An­ spruch nahm, dann kann ich mich bei vergleichbaren Jobs schon frühzeitig Die TREND-REPORT- Redaktion sprach mit Dr. Jan Christian Seevogel, Senior Vice President DACH bei Avature, über den Ein uss neuer Technologien auf die Personalabteilung. um die richtigen Maßnahmen wie etwa den Aufbau eines entsprechenden Ta­ lent­Pools bemühen. KI kann auch nach außen, also dem Kandidaten gegenüber genutzt werden. Durch das automati­ sierte Matching müssen Talente nicht länger selbst nach dem passenden Job suchen, sondern können einfach ihren Lebenslauf hochladen oder mit einem Klick ihre Daten aus Xing oder Linke­ dIn mit dem Karriere­Portal verknüp­ fen. Die KI listet dann durch die Ana­ lyse der Kandidaten­Daten die am bes­ ten passenden Jobs aus der Datenbank und mit einem weiteren Klick ist die Bewerbung abgesendet. Auch bei der administrativ sehr aufwändigen Inter­ viewterminierung und der Beziehungs­ p ege mit Kandidaten kann KI ver­ bunden mit der Automatisierung von Prozessen unterstützen. Vor welchen Herausforderungen stehen in diesem Kontext insbe- sondere große Unternehmen und Konzerne? Künstliche Intelligenz funktioniert nur mit sehr vielen Daten und die Systeme, die diese Daten verarbeiten, brauchen sehr viel Rechenleistung, was zunächst rein technisch abgebildet werden muss. Hinzu kommt, dass die Verwendung von Daten und KI­Technologien in verschiedenen Regionen der Welt un­ terschiedlich reguliert ist. Das verlangt von Unternehmen eine gewisse Flexi­ bilität, da sie global operierend in den 


































































































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